2018
Herr Uwe Stegemann
Wer ist dieser Mensch, der vom gesamten Mitarbeiterteam des Vereins „Sozialhummel e. V.“ mit Nachdruck und überzeugender Begründung vorgeschlagen wurde? Ihm wurde zuerkannt, dass er durch sein außerordentliches, soziales Engagement im Bereich der Behindertenhilfe für den Tenten Preis geradezu prädestiniert sei. Durch seinen trotz eigener Betroffenheit unermüdlichen Einsatz sei er nicht nur ein großes Vorbild für Menschen mit Behinderungen, sondern auch für alle sozial engagierten Mitstreiter.
Herr Uwe Stegemann ist 1965 geboren und selbst schon sehr früh an spinaler Muskelatrophie erkrankt. Nach Abschluss der allgemeinen Hochschulreife an der „Rheinischen Schule für Körperbehinderte“ in Köln absolvierte er sein Psychologiestudium an der Universität Bonn. Wie bei fast jedem Studenten gehörte für ihn zum Studium der Auszug aus dem gewohnten Zuhause. Um ein selbstständiges Leben führen zu können, gehörte er zu einem der ersten Antragsteller für eine sog. „Assistenz zum selbstständigen Lernen und Studieren“ in Bonn.
Bereits in diesen frühen Jahren eignete er sich also eine Expertise an, die er schnell und persönlich an andere Menschen mit Behinderung weitergab und bis heute gibt. Nach einer beruflichen Tätigkeit als Reha-Berater wurde er im Jahre 1998, also mit schon 33 Jahren, frühverrentet. Umso intensiver konnte sich Herr Stegemann seinem ehrenamtlichen Engagement widmen. Schon ab 1985 war er aktives Mitglied im Verein „Brücke – Krücke e.V.“, einer Vorbildinstitution für inklusive Jugendarbeit in Bonn. Herr Stegemann wurde Gründungsmitglied beim „Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen“ und unterstützt den Verein bis heute in den Bereichen Behindertenpolitik, Öffentlichkeitsarbeit, aber auch bei individueller Beratung. Von 2007 bis 2009 war er als Behindertenbeauftragter der Stadt Bonn für den Fachbereich Pflege tätig, ebenfalls ehrenamtlich berät er seit 2009 den Verein „Das Stützrad e.V.“. Im Jahr 2012 wurde Herr Stegemann ehrenamtlicher Vorstand des Vereins „Sozialhummel e.V. Herr Stegemann setzt sich in seinen individuellen Engagements für die Rechte von Menschen mit Behinderung ein, indem er sie kostenfrei als „Peer Counselor“ berät und z. B. umfassend bei der Antragstellung von Hilfen begleitet. Sein umfassendes Wissen und seine Erfahrung, aber auch seine Kompetenz im Umgang mit den Betroffenen macht ihn in diesen Kreisen als Ansprechpartner bekannt, der immer ein offenes Ohr hat. So bereichert er das Team der Mitarbeiter von „Sozialhummel e.V.“ und alle behinderten Menschen, die sich direkt an ihn wenden. Herr Stegemann ist das lebende und lebhafte Beispiel dafür, dass, egal welche Handicaps vorliegen, jeder Mensch ein selbstständiges und selbst-bestimmtes Leben führen kann. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass Herr Stegemann als erster in Bonn das sogenannte „Arbeitgeber-Modell“ nutzt, das ihm das selbst-ständige Leben in eigenen, privaten Räumen durch Beschäftigung von bis zu acht Assistenten ermöglicht. So ist Herr Stegemann den Alternativen entgangen, entweder in einem Pflegeheim zu leben oder auf einen ambulanten Pflegedienst angewiesen zu sein. Mit dieser Arbeitgeber-Lösung hat Herr Stegemann einen großen Erfahrungsreichtum angesammelt, den er gerne und intensiv mit Hilfsbedürftigen teilt.
Ehrenamtliche Mitarbeiter der Notfallseelsorge Bonn/Rhein-Sieg
Die Notfallseelsorge, vertreten durch Herrn Pater Dr. Jürgen Langer und Herrn Pfarrer Albrecht Roebke, ist ein Projekt der Kirchen, das seit 1990 in Bonn und seit 2000 im Rhein-Sieg-Kreis tätig ist. Pater Langer wendet ca. ¼ seiner Arbeitszeit für die Gewinnung von Einsatzkräften, die Ausbildung derer und die Einsätze selbst auf. Pfarrer Albrecht Roebke koordiniert die Notfallseelsorge für die evangelische Kirche und äußert sich auch dazu in einer halbstündigen Fernsehdokumentation. Er ist einer der „Großen“ auf diesem Gebiet und mit Dreiviertel seiner Arbeitszeit mit der Notfallseelsorge beschäftigt.
Den 30 aktiven Ehrenamtlichen soll der Tenten-Preis zu Gute kommen.
Von der Leitstelle der Polizei werden Pater Langer oder Pfarrer Roebke benachrichtigt, wenn bei Todesfällen Angehörige betreut werden müssen. Es handelt sich in den meisten Fällen um unerwartete Situationen wie z. B. erfolglose Reanimation, häusliche Todesfälle, Tod von Personen, insbesondere von Kindern, Suizidfälle und schwere Verkehrsunfälle.
Konkrete Tätigkeiten des Notfallseelsorgers können sein:
Begleitung von unverletzten Beteiligten, Begleitung von Verletzten während der Rettung, Begleitung von Angehörigen am Einsatzort, Fürsorge für erschöpfte Einsatzkräfte, Überbringung von Todesnachrichten mit der Polizei.
Die Voraussetzungen für eine ehrenamtliche Tätigkeit bei der Notfallseelsorge sind Ausbildungen im psycho-sozialen Bereich, zur Krankenschwester, zur Traumatherapeutin oder langjährige Rettungsdiensterfahrung bzw. langjährige Erfahrung in der Rettungs-assistenz.
Die Ehrenamtler können ihre Einsätze selbst steuern, die Einsätze variieren von 5 x im Jahr bis zu 3 x in der Woche, Wochenenden und Feiertage eingeschlossen. Das Alter der z.Zt. ehrenamtlich tätigen Einsatzkräfte fängt bei 24 Jahren an und reicht bis zu 70 Lebensjahren.
Für die Ehrenamtlichen ist eine Kirchenangehörigkeit notwendig, um von dem Zeugnis-verweigerungsrecht Gebrauch machen zu können.
In einer Thesenreihe zur Notfallseelsorge heißt es:
„Menschen in Notfallsituationen beizustehen, ist unverzichtbarer Bestandteil christlichen Glaubens. Notfallseelsorge ist eine Form dieses Beistandes. Sie ist damit ein Grundbestandteil des Seelsorgeauftrages der Kirchen und ist in ihrem Grundsatz ökumenisch ausgerichtet. Notfallseelsorge richtet sich an alle Menschen und achtet das Recht auf Selbstbestimmung und die religiöse und weltanschauliche Orientierung der Betroffenen.“

